Designrhetorik

Produktdesign mit System

Rhetorik wird ja oft als Redekunst, gar als Überredungskunst definiert. Dabei soll der Empfänger durch geschickte Wortwahl zu einer bestimmten Einstellung oder Emotion bewegt werden. Wenn nun die Suggestionskunst auf die anderen Sinne auch als eine Art Rhetorik definiert wird, so kann man den Prozess der Produktgestaltung bzw. Produktdesign als ein rhetorischer Gestaltungsakt betrachten. Das Ergebnis dieses „Aktes“ sollte durch eine wirkungsvolle Formensprache alle Beteiligten, vom Designauftraggeber bis hin zum Konsumenten, überzeugen. Sicherlich ist hier die Herausforderung, diesen Idealzustand durch ein ehrliches Produktdesign zu generieren, das ökologisch wie ökonomisch durch Ästhetik, Langlebigkeit, Innovationsgrad, Effektivität überzeugt und keiner Erklärung bedarf. Um dieses zu erreichen, ist eine zielorientierte gestalterische Planung und Ausführung notwendig. Hierzu lässt sich die allgemeine Systematik der Rhetorik der Antike problemlos einsetzen, die ursprünglich als eine Zusammenstellung von Regeln und Techniken für eine verbale Ausdrucksweise angewandt wurde.

Eine kurze Zusammenfassung der rhetorischen Systematik:

  1. intellectio (lat. Erkenntnis, Auslegung): Übertragen auf den Produktdesignprozess ist dies die erste Research- und Zielsetzungsphase. Nach detaillierten Ziel- und Briefingworkshops, Markt – und Produktanalysen wird ein Anforderungskatalog erstellt, die den gesamten Designprozess begleitet.
  2. inventio (lat. Findung): Für die jeweilige Designaufgaben werden mehrere anforderungsgerechte Grundkonzepte und Gestaltungsideen skizzenhaft in Designworkshops ausgearbeitet. Erste Funktionsprototypen, Ergonomiemodelle und Mock-ups entstehen.
  3. disposito (lat. Auswahl, Anordnung): In dieser Phase gilt es, eine Entscheidung gemeinsam mit dem Auftraggeber für die Weiterverfolgung im Produktdesign-Prozess zu treffen. Die Konzepte werden auf die technischen, wirtschaftlichen, ästhetischen und ökologischen Anforderungen überprüft.
  4. elocutio (lat. Ausführung): Schließlich erfolgt die Designdetaillierung und Ausarbeitung im CAD. Dabei werden hier auch die technischen Anforderungen wie Wandstärke, Entformschräge und Formtrennung berücksichtigt. Die Ergebnisse dieser Phase sind gestalterisch soweit definiert, dass im Anschluss mit der technisch-konstruktiven Ausarbeitung des Produktes begonnen werden kann.
  5. actio (lat. Wirkung): Womit die Wirkung eines Projektes gemeint ist, welches in einer Testphase durch einen offenen Dialog mit der Zielgruppe überprüft wird.

Fazit: Aus meiner Sicht lassen sich die rhetorischen Grundregeln auf den Produktdesign-Prozess sehr gut übertragen und sind vom Ansatz her anderen agilen Innovationsprozessen sehr ähnlich.

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